Münchweier und sein historisches Ortsbild.

Die Geschichte von Münchweier reicht bis in die Merowinger Zeit zurück. Sie ist verbunden mit der Missionierung der Alemannen, durch den schottischen Mönch, dem heiligen Landelin. Sein Schicksal zeigt, dass sich die Alemannen nicht einfach bekehren ließen, der Heilige Landelin wurde 640 n. Chr. im Auftrag des Alemannen-Grafen Gisokus getötet und erlitt so den Märtyrertod. Der Heilige wurde in Münchweier an der Stelle der jetzigen Kirche bestattet, noch heute ruhen seine Gebeine unter dem Altar der Kirche von Münchweier. Münchweier war deshalb stets Mittelpunkt einer Wallfahrt zum Grab des Heiligen Landelin.

Im 8. Jahrhundert haben im Tal des Ettenbaches Einsiedler gelebt, die Bischof Widegern von Straßburg 725 am Grab des Hl. Landelin zu einem kleinen Kloster "monachorum cella, Mönchenzell" vereinigte. 763 wurde dieses Kloster in Ettenheimmünster in vergrößerter Form neu errichtet. Im 9. Jahrhundert wird im Verbrüderungsbuch des Klosters St. Gallen der Ort Münchweier erstmals urkundlich erwähnt. Das Dorf im eigentlichen Sinn dürfte im 8./9. Jahrhundert entstanden sein.1225 wird in Münchweier eine Kirche genannt, sie stand unter dem Patronat des Klosters Ettenheimmünster. Mit einem Honold von Münchwiler wird 1297 ein Adeliger erwähnt, der sich nach Münchweier nannte.

1425 Münchwiller genannt, wurde der Ort Mittelpunkt einer kleinen Klosterherrschaft. Die Wallfahrt zum Grab des Heiligen Landelin muss bedeutend gewesen sein. Darauf weist auch die Tatsache hin, dass das Grab des Heiligen Ende des 16. Jh. mit einer neuen, heute noch vorhandenen Platte mit Darstellung und Inschrift versehen wurde.1492 erhielt Münchweier das Recht bestätigt, Jahrmarkt abzuhalten. Der Ort erhielt insbesondere auch dadurch Bedeutung, dass hier die für das Kloster Ettenheimmünster tätigen Handwerker ansässig waren.

Von eindrucksvoller Geschlossenheit ist das Ortsbild von Münchweier, zuoberst steht die Kirche mit dem Grab des Heiligen Landelin. Es handelt sich um einen bedeutenden klassizistischen Kirchenbau, den 1827/29 der staatliche Architekt Johann Voss (1783-1849) errichtet hat. Der Turm steht als ein Wahrzeichen über Münchweier auf dem Kirchberg. Bedeutende historische Bauten schmücken den Kirchberg, viele davon in Fachwerkbauweise. Eine besondere Blütezeit des Fachwerkbaues in der Ortenau war das späte 17. Und 18. Jahrhundert. Die Zerstörungen durch den 30jährigen Krieg und die Erbfolgekriege, verbunden mit einem Anwachsen der Bevölkerung mittels Ansiedlung des jeweiligen Landesherren, führten zu einer großen Bautätigkeit. Münchweier war eng mit Straßburg verbunden, das 1681 französisch wurde und bald französische Lebensart auf die Region ausstrahlte. In diesem Zusammenhang dürften die z. T. mächtigen Mansarddächer stehen. Auffällig ist die für den Ort große Zahl von Gasthöfen, was zweifellos mit der Wallfahrt zusammenhängt.

Textauszug von Dr. Hans Jakob Wörner.


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